08.08. Jasper - Banff

Heidi Klum würde sagen:
"Heute habe ich leider kein Foto für dich"
oder so schnell kann sich das Wetter drehen

Der beste Göttergatte von allen weckt mich indem er mir die Bettdecke wegzieht gefolgt von einem "es regnet in Strömen Schatz", heute kannst du leider keine Fotos machen.
Na super, da fängt der Tag ja gut an. Und überhaupt, was heißt denn es regnet, ich hatte doch Kanada bei Sonne gebucht.
Der Frühstückstisch ist schon gedeckt, als ich endlich aus dem Bad schwebe. Das Prasseln auf dem Blechdach bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen. Nun gut, wir fahren heute ja auch nur die schönste Strecke unserer gesamten Reise, umpf.

 Im Auto kommt Fröhlichkeit nur beim selbst-fotografieren auf, durch die Scheibe geht noch gar nicht, ständig habe ich fette Tropfen als Motiv.

Die Wolkendecke hängt tief am Berg und löst sich noch nicht auf, aber wenigstens hat es aufgehört zu Schütten.



Waldbrandgefahr ist hier ein ernstes Thema und das Land braucht dringend Regen, überall auf unserem Weg sehen wir die Auswirkungen verheerender Waldbrände. Solo stehende Tannen, heruntergekokelt, teils mit frischen Grün durchsetzt.



Und dann frühstückt noch jemand am Wegesrand, lässt sich so gar nicht stören und glubscht uns mit großen Augen an. Hier hat das Wild noch Vorrang und nicht selten läuft es auf die Straße oder steht einfach nur blockierend rum. Auf unserer gesamten Strecke stehen immer wieder Warnschilder, die die Geschwindigkeit reduzieren. Teilweise auf 50 kmh reduziert bummeln wir on the road dahin.





Seltsame Felsformationen tun kund, hier hat sich zu Urzeiten mal was verschoben.

Große Gesteinsbrocken und obendrauf wachsen Tannen auf nacktem Felsen, die Natur erobert sich alles zurück.



Und wir haben uns schon gewundert, so viele Fahrradfahrer wie wir staunend und bewundernd überholten, die fahren doch nicht 230 Kilometer von Jasper nach Banff durch?
Aber nein, an festen Punkten werden sie versorgt, umhegt und wieder aufgepäppelt, mit opulenten Buffets und warmen Decken versorgt, denn auch sie bekommen heute den einen oder anderen Regenschauer auf den Buckel. 
Die ganz harten Fahrradprofis fahren die gesamte Strecke mit kleinen Touren-Rad-Anhängern. Und zwar komme was wolle, bergauf, bergab, nur die Harten kommen in den Garten.



An den Rändern des Highways blühen weiße Puschelchen in Wattewiesen, lustig anzusehen und immer ein Fotomotiv wert.



Erneute Eisplatten zwischen zwei Bergen. Ewiges Eis, bedroht von der klimatischen Katastrophe.

Karg ist hier die Landschaft und heute ist es mal sehr kalt, wenn man bedenkt, dass wir Mitte August haben, wir frösteln bei jeder Fotopause.







Das ist das Columbia-Icefield, das größte der Rocky Mountains, die Nahaufnahmen könnt ihr im Reiseführer besser erkennen, auf dem Eisfeld hinter uns sind riesige Busse emsig damit beschäftigt Touristen in Massen auf den eh schon reduzierten Gletscher zu kutschieren. Hier zeigt sich am besten wohin die Erderwärmung führen wird. Der untere Ausläufer des Gletschers gleicht einer Geröllhalde, der Gletscher zieht sich leider jedes Jahr um einige Meter zurück.

Mit einem solchen Gefährt reist es sich gut und komfortabler als mit dem Fahrrad, aber jeder nach seinem Geschmack.

So gehts natürlich auch, der Herr am Steuer trägt offen zur Schau gestellt Bein-Prothese wie ich auch, rechter Unterschenkel beim Maschinenunfall verloren, woraufhin ich ihn gleich anspreche, das interessiert mich. System Otto Bock, C-Leg, ohne Verkleidung, warum auch, außer mir guckt wieder kein Schwein. Das ist hier typisch für Kanada, du denkst alles guckt, nix da, hier darfst du so seltsam sein, wie du willst, es interessiert keinen.
Den riesigen Camper fährt er mit dem Prothesenbein, keine Sondergenehmigung, ich staune, das wäre in Deutschland nicht möglich.

Kilometer weiter dann die absolute Straßenverstopfung, da ist er unser erster Grizzly dieses Jahr. Gut ich gebe zu er ist am Hang gegenüber rund 1500 Meter entfernt, mein 400er Teleobjektiv kann ihn gerade so noch erspähen. Aber ich finde das zählt auf unserer Liste. Schnell den Marker gezückt, iehtsch-iehtsch Häkchen dran machen.
Ich frage mich immer, wer ist wohl der erste der anhält, wie um Himmels willen hat er den erspäht, oder ist es das Nachglühen Stunden später als er die Straße kreuzte und dann den Berg hoch kletterte. Hinten stellt sich eh immer einer in die Schlange an, auch wenn nix mehr zu sehen ist.

 
Hier noch ein paar Blümchenfotos, ich weiß mein Mann hat gesagt, die sind unwichtig, aber die sind für alle Naturliebhaber und als Nachweis der Berechtigung, warum ich mein "gutes" Objektiv auch mitgeschleppt habe.

















Dann erreichen wir den Bow-Lake, den See mit dem grüntürkisesten Wasser auf unserer Reise.







Ja, wir waren hier.
Und das lieber Sabine ist für deinen Mann Klaus, ein brötchenkrümelfressendes Flugobjekt, ich erwarte, dass dein Mann weiß, wie das Viech heißt, bis ich zurück bin (wird dann im Blog ergänzt).

Die Stadt Banff erreichen wir am frühen Nachmittag, nett ist es hier, doch Achtung hier ist die Stadt der 3-Ways oder 4-Ways. hier heißt es an der Kreuzung, wer zuerst kommt fährt zuerst, darum muss man sich als Ausländer erst einmal gewöhnen.
Halten, gucken, taxieren, lächeln, freundlich winken oder selber fahren, na, geht doch!
Was in Deutschland nicht möglich ist, hier geht das alles.

Und dann erreichen wir unser heutiges Hotel und damit das Reiseziel. Eine nette Ansammlung von Holzhütten, ganz im kanadischen Stil. "Hidden Ridge Ressort" heißt unser Nachtlager für die nächsten 2 Tage.



Mit einem Queen-Size-Bett ausgestattet sind die Schlafzimmer, das bedeutet 1,40 Bettbreite. Zu zweit wirds da ganz schön eng, zu Glück gibts die Schlafcouch im Wohnzimmer. 
Tipp von mir, wenn ihr zu zweit in einem Bett schlaft bucht immer ein Zimmer mit Kingsize-Bett, die sind 1,80 oder 2,00 Meter breit. 

Apropos Bett, wir gehen jetzt schlafen, es ist 22:38 Ortszeit bei uns und bei euch werden gerade die Vögel wach. 
Da ich gerade 3,5 Tage Blog nachgearbeitet habe muss ich dringend schlafen, schließlich soll das hier nicht in Arbeit ausarten hat mein Mann gerade gesagt und dass ich einen Orden bekomme.

Ihr Lieben ich hoffe, wir konnten euch erfreuen
folgt uns auch Morgen wieder

Die müden Urlaubskanadier
Edda & Christian




Heute sind wir 290 km auf einer Traumstraße unterwegs gewesen, dem Icefield Parkway.
Mitten durch die Rocky Mountains waren dort spektakuläre Ausblicke hinter jeder Kurve garantiert.

4 Kommentare:

  1. Das ist Mein absoluter Lieblingsabschnitt auf eurer Reise. Mach dich bitte viele Bilder von "Um.die.Ecke.Ueberaschungen"!!!

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  2. Das mit dem Orden unterstützen wir voll und ganz. Sooo viele interessante Berichte und Bilder wir sind begeistet.
    Gruß, Tanja und Andreas

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  3. Vielen Dank für die Mühe, dir ihr euch macht. Wunderbar nochmal die selbst vor 3 Jahren bereits abgefahrene Route wiederaufleben zu lassen. Lasst es euch gut gehen und es nicht in Arbeit ausarten.
    Dennoch: der Orden ist euch schon sicher :-)
    Besten Gruß an euch.
    Georg

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    1. Lieber Georg,
      danke für deinen netten Kommentar, ich folge und erfülle das zweite Mal den Herzenswunsch meines Mannes Kanada zu sehen, ein lang gehegter Lebenstraum. Dazu gehört natürlich eine nachhaltige Berichterstattung, die schon letztes Mal, vorrangig uns selber, Freude im Nachhinein bereitet hat. Man kann sich ja schon so schnell nicht mehr an Details erinnern. Ein wundervolles Land mit tollen Erlebnissen verdient es nicht in Vergessenheit zu geraten.
      Ich hoffe ihr daheim habt viel Spaß beim Lesen.
      Edda und Christian

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