04.08. Calgary - Wetaskiwin

WiWaWattewölkchen 
oder die Kochkünste einer Meisterin

Guten Morgen ihr Lieben,
ein super Frühstück begrüßt uns am Morgen hier im Hotel, natürlich begleitet von dem ununterbrochenen Lächeln asiatischer Freundlichkeit. Hier wird sich sogar bedankt, wenn man selber seinen Müll zur Tonne trägt. Seufz!
Als Überraschung des Tages eröffnet wir mein Göttergatte, dass wir nun noch kurz unseren Leihwagen am Flughafen umtauschen müssen. Die Warnanzeige des Ölfilters hält sich hartnäckig im Fahrzeugdisplay.
Also "back to the Roots" und eben mal einen neuen Leihwagen organisieren. Nun kann es endlich losgehen in Richtung unserer Freunde Stefan und Karin nach Wetaskiwin.

Und wie immer in Kanada blauer Himmel weiße Wattewölkchen

Die Strecke von Calgary nach Wetaskiwin ersteckt sich wie ein bunter Flickenteppich vor unseren Augen, nur dass die Flicken hier in Kanada etwas größer sind, ein Stück Ackerland ist immer 64 Hektar (ein Quarter). 

Schnurgerade auf jeweils drei Spuren
Eine schnurgerade Bundesstraße führt uns durch den Bundesstaat Alberta. Hier beginnt die Kornkammer Kanadas.
Raps, Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Flachs, Bohnen, Erbsen, hier darf der Landwirt sich austoben, mit meterhohen Landmaschinen wird er der Ernte Herr und lagert, was nicht gerade vom Hagel zerstört wird in riesigen Getreidesilos.



Schäfchenwolken vom Feinsten

Getreidesilos beherbergen die geernteten Schätze

Noch weiter im Norden und Osten wohnt schon gar kein Landwirt mehr auf seinen Farmen, wie Stefan uns berichtet, hier kommt der Bauer mit seinem Wohntrailer den Sommer über zur Ernte, den Winter jedoch, der hier 6 Monate lang die Einöde mit meterhohem Schnee bedeckt, verbringt er dann doch lieber in der Sonne Kaliforniens. Schließlich erträgt kein vernünftiger Mensch die Kälte von minus 45 Grad, gepaart mit totaler Einsamkeit, freiwillig über eine so lange Zeit, ohne am Rad zu drehen.

Blaue Farm, gelbe Heuballen, silberne Getreidesilos, grüne Wiesen und ein paar Kühe unter einem tollen Himmel

Mitten in der Pampa, hier werden Trailer, Hänger und Camper verkauft

Tschuldigung, bisserl schief, aus dem fahrenden Auto fotografiert es sich nur sehr wackelig


Heute ist Feiertag und somit tummeln sich außer unserem "Kleinwagen" auch Hunderte andere, meist mit monströsen Campinggefährten bestückt, auf der Bundesstraße Richtung Edmonton.
Diese Gefährte sind meist mehrere Meter lang (ab 10 aufwärts) und schleppen ebenso oft ganze Zweitfahrzeuge an einer zweiten Achse hinter sich her. Dabei sprechen wir hier jedoch nicht vom handlichen Twingo, sondern mindestens von einem SUW. Drei Treppenstufen gleiten sanft herab, um den Fahrer in die Kabine zu befördern. Natürlich nicht mit popeliger Kurbel, sondern auf Knopfdruck.
Wir mögen uns nur annähernd ausmalen, was solch ein Fahrzeug kostet und steigen nach einer kurzen Pause wieder in unsren Kleinwagen.

Schotterpiste kurz vor der Ankunft

Und da ist auch schon die Farm

Nach dreieinhalb Stunden erreichen wir die Farm von Stefan und Karin. Die Wegbeschreibung war einfach, Abzweigung runter, 15 Kilometer weiter, Kirche linke Seite, Schotterpiste, erste Farm linke Seite. Na, wer sagts denn, da sind wir.

Begrüßt werden wir von einem fröhlichen Rottweiler und unseren Gastgebern, Karin war gerade Eier aus eigener Zucht "ernten". Wieviele Hühner sie besitzt soll ihr Gatte nicht hören, "die fressen das ganze Korn weg" ist sein Kommentar dazu.
Das großzügige Haus haben die beiden als "Bausatz" gekauft und in 2 Jahren selbst zusammengebaut.
Auf der umlaufenden Veranda gibt es erst mal einen kalten Bananen-Milchshake und selbst gebackenen Blaubeerkuchen. Hmmmm, hier bleibe ich!
Da die Beiden uns eventuell ein Teilstück begleiten wollen, wird der eigene Garten noch mal eben geplündert. Leute, ich bin im kulinarischen Paradies. Zum Abendessen gibt es Rindersteaks vom Grill, ausnahmsweise nicht aus eigener Schlachtung, aber alles Andere ist Marke Eigenbau. Schnell noch ein paar Kartoffeln aus dem Garten ausgekuhlt, Bohnen frisch vom Busch gezupft, Gurke und Tomate und Paprika für den Salat geerntet. Zwei Zweiglein Rosmarin für die Kartoffeln, "nee Stefan, dass sind die Stengel neben den Tomaten". Den Schnittlauch für den frischen Kräuterquark. Auf der Veranda lassen wir es uns schmecken.

Ob wir gemeinsam unsere Reise antreten können, ist für Stefan und Karin etwas unklar, sie haben gebraucht 2 Getreidesilos gekauft, die nun auf die Farm transportiert werden müssen. Morgen Früh um 5 Uhr fährt Stefan also los nach Caroline im Süd-Westen, um den Transport zu begleiten.

Im Anschluss wird noch kurz ein Kuchen von Himbeeren und Erdbeeren und Blaubeeren gezaubert, der Puderzucker kommt aus dem Thermomix (Liebe Grüße an die Thermomix-Fangemeinde, ihr seid in Deutschland nicht alleine).
Dass mich nach solch einem Essen der Jetlag dahinrafft ist ja kein Wunder, der Relaxsessel im Wohnzimmer tut sein Übriges, ich muss im Himmel sein. Nach 2 Stunden werde ich liebevoll mit einem Stück Kuchen geweckt, es ist nun 21.15 Uhr, genau die richtige Zeit für ein Betthupferl.
Noch ein kurzer Blick an den Himmel, der Nachbar sprüht seine Felder mit Pestiziden, von einer kleinen Propellermaschine aus zieht er seine Kreise. Zum Glück geht gerade wenig Wind, sonst ist die Zielgenauigkeit nicht so vorherzusagen, aber was soll's auf einen Hektar mehr oder weniger Gift gesprüht kommt es hier ja nicht so an.
Vor dem Schlafengehen besucht das Stadtkind Edda noch die Hühner, die Kühe und den Esel. Die Hühner sitzen brav auf ihren Stangen und fühlen sich beäugt, als wir zu nachtschlafender Zeit in ihr Häuschen schauen. Hübsch sind sie bunt durcheinandergefärbt und Karins ganzer Stolz. "Schlachten" "wie, nein?", ein entsetzter Aufschrei, das würde sie nicht übers Herz bringen, aha!
Die 4 Kühe und drei Kälbchen sind knapp handzahm, werden jedoch nicht gemolken, die sind zum Züchten, Verkaufen und Schlachten da. Ab und zu wird ein  Bulle eingeladen, wozu könnt ihr euch denken… ;)
Die 4 Damen fressen zu meinem Erstaunen Erbsenschoten direkt aus der Hand, der Futterneid des Rottweilers kennt keine Grenzen und so bekommt auch er etwas ab. Der Esel ist seit 3 Wochen eingeschnappt, er denkt wir sind der Hufschmied und den möchte er tunlichst meiden. Hübsch braune Augen hat er, jedoch keinen Hunger oder er will es nicht zugeben.
So nun aber schnell ins Bettchen.
Und da ist sie nun, diese tiefe, allumfassende, raumgreifende Stille. Ich liege plötzlich hellwach im Bett und lausche auf meinen Atem und außer dem ist da nichts. Oh, du Stadtkind der Hauptverkehrsstraße, du Sammlerin von Stimmengewirre und Lautgewirr, hier liegst du nun und lauscht. Dass mich 20 Minuten später Kojotengejaule weckt, lässt mich beruhigt schmunzeln. Aha, doch Krach in der Wildnis! Dazu kommt das Blöken von Jungrehkitzen und das Flattern von Fledermäusen vor meinem Fenster. 

Na, dann gute Nacht!
Edda & Christian

 

Heute sind wir aus Calgary Richtung Edmonton nach Wetaskiwin ca. 250 km gefahren.

1 Kommentar:

  1. Wow!!! Wir befinden uns hier mitten in einem erstklassigen Reisemagazin!!! Was für ein Spaß.

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