12.08. Revelst. - Summerland

Unsere kleine Farm
oder ein Wiener Schnitzel bitte!

 
Ihr wartet sicher schon auf uns, oder?
Gestern hatten wir einfach mal keine Zeit zu schreibenund haben einfach mal ein wenig Urlaub gemacht.
Unsere Gestrige Anfahrt nach Summerland führte uns von Revelstoke über den Highway 1 nach Sicamous bis Salmon Arm über die 93B Richtung Enderby. Entlang eines wunderschönen Gewässers dem Shuswap-Lake wäre das eine Traumstrecke gewesen, wenn uns nicht das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Wir sind durch diesige Suppe gefahren. Hier lohnte sich kein Foto so wirklich, schade eigentlich.
Trotzdem lasse ich euch nicht leer ausgehen.
 
Das Eisenbahnmuseum in Revelstoke.

Natürlich fuhr auch gerade ein passender Zug vorbei, wir haben die Läge mit dem Kilometerstand gecheckt. Er war ganze 2 Kilometer lang, beachtlich, aus diesem Grund werden die Züge hier von mindestens 2 Loks gezogen.
 

Wir befahren die wohl schönste Strecke der wachsenden Fruchtschale Kanadas, hier gibt es an jeder Ecke Fruchtstände und Massen an Feldern voll Äpfel, Birnen, Beeren. 
Natürlich auch Weintrauben, in jedem Kuhkaff gibt es mehrere Weinkellereien.

Auf die angekündigten Wildtiere mussten wir leider auch heute verzichten, ich wette Bär und Elch verstecken sich, solange wir aus dem Autofenster schauen und passieren die Straße erst, wenn wir außer Sichtweite sind. Wir beschließen uns im Anschluss der Reise beim Kanadischen Straßenverkehrsamt zu beschweren. Die Zusicherung auf den nächsten 3 Kilometern Elche zu sehen hat eine Wahrscheinlichkeit gegen Null. 


Ihr seht, ein Blick über den See lohnt sich heute nicht wirklich. Da reißen es selbst die blauen Blümchen im Vordergrund nicht raus.
 
Statt dessen haben wir ziemlich aufdringliche LKW-Fahrer im Rückspiegel, ich kann euch versichern, das sind keine 10 Meter Entfernung.
Bei 430 PS ohne Ladung dahinter macht es ja auch tierischen Spaß Touristen in Leihwagen vor sich her zu jagen. 
Wir haben 90 kmh Geschwindigkeitsbeschränkung, der Riese lässt sich nicht beeindrucken und rauscht, sobald die 2 Spuren kommen, wie ein Irrer an uns vorbei.

Eine kurze Pause und Edda darf die Blümchen der Umgebung unter die Lupe nehmen, zählt die Biene auf unserer Abschuß-Liste? Klar, ist Wildtier - Häkchen!
 
Hinter Salmon-Arm betreten wir Farm-Land mit typischen Farmgebäuden am Straßenrand, alles hübsch ordentlich mit Häuschen, Pick-Up, Boot, Veranda und ein bisserl Land mit Kühen oder Pferden dazu.
 




Das kleine Städtchen Enderby ist beschaulich mit Kirche...
... niedlichem Café. Das könnten wir kaufen oder mieten verrät das Schild.

Das einzige was hier die Landschaft verschandelt sind die riesigen Werbeschilder am Straßenrand.
Das hier mag ja gestalterisch nochgehen, ...
 
... solch eine Schilderflut dagegen ist fürs Auge nicht mehr angenehm und es werden Stündlich mehr. Hier ist alles dabei, Baggerschule, Dentisten, Makler, Autohändler, alle wollen ihre Dienste an dem Man, an die Frau bringen.
Uff, da sieht man den Wald vor lauter Schildern nicht mehr.
 

Fruchtverkauf mutiert auch schon mal zum Abenteuerland mit Giraffen und Dinosauriern bietet man Kaufwütigen die maximale Unterhaltung. Nun gut, wer's mag.
 
Ich persönlich liebe diese kleinen roten Farmhäuschen, die verkörpern für mich Kanada und Freiheit. Ich will hier zwar nicht begraben werden und wohnen auch nicht, aber für ein Foto...
... eignet sich diese Idylle doch allemal.
 
Und dann steht da doch mitten am Feldrand ein Mustang und verkündet man könne ihn und andere Mustang-Teile käuflich erwerben und das mitten im Nirgendwo, echt lustig!
 
Ein Sägewerk sorgt hinter dem beschaulichen Armstrong dafür, dass die tausende von abgeholzten Bäumen in die passenden Stückchen gesägt werden.
 
Richtung Vernon ist das Land nicht mehr ganz so fruchtbar und hügelig, hier wirkt alles etwas karger.
 


An dem typischen Kleinstadt-Aufbau hat sich hier nichts geändert.
Hotel, Motel, Fast-Food, Tankstelle, Autohaus, Supermarkt. 


Ja, auch dieser Blick ist ganz typisch und als Fotomotiv von mir heiß geliebt, Wandmalereien gibt es in Kanada in jeder Kleinstadt, wertet immerhin den hässlichen Hinterhof auf. 



Ich muss zugeben, dass ich es sehr bedauere, dass hier Ferien sind, so sehe ich diese schönen gelben Schulbusse immer nur abgestellt auf irgendwelchen Parkplätzen.
 
Besonders erfreut bin ich darüber, dass mein Mann mir eröffnet wir fahren noch einmal an unserem Lieblingshotel vom letzten Jahr vorbei. In diesem Golf-Ressort fühlten wir uns wie Könige und hatten erst gedacht das Navi spinnt, als es uns hier hin navigierte.
 
Selbst die Kühe vom letzten Jahr standen noch an der gleichen Stelle...
 
... aber mein eigentlicher Begehr war diese kleine rote Farm, mein wohl schönstes Fotomotiv vom letzten Jahr.
Da ist sie noch, bisschen gelb drumherum, daran kann man sehen wir sind 4 Wochen später da und es ist dieses Jahr außerordentlich trocken.
Sie hat ein Schild am Zaun "zu verkaufen", da kann man ja mal träumen und sich einfach vorstellen "ich habe eine Farm in Kanada". 


100 Meter weiter ein Helikopter der Feuerwache, dieses Jahr steht hier alles auf Alarm, der kleinste Funke und die Gegend brennt wie Zunder.
 
Richtung Kelowna befinden wir uns jetzt am Okanagan-Lake. Die wohl reizvollste Landschaft auf dieser Strecke. Hier wollen alle wohnen und leben. Sanfte Weinberge, hügeliges Weideland, das Wasser gleich nebenan.

Urig sind die vielen Biker mit ihren Harleys, echt harte Typen, verwitterte Gesichter, gegerbte Haut, immer auf der Suche nach der großen Freiheit. Die hört dann meistens an der Tankstelle auf.

Und für die ältere Generation, die es sich leisten kann jetzt schon "auszusteigen" reiht sich hier ein Wohnmobilhändler an den Nächsten. 

Auch gutes, fruchtbares Land steht zum Verkauf, diese Schilder sehen wir hier überall, ob an Privathäusern oder Farmen, an Feldern, Wiesen oder Betrieben. Stefan erklärt uns später, dass der Kanadier in seinem Leben mindestens sieben Mal umzieht, das wäre normal. Somit wechselt alle regelmäßig den Besitzer und hat nicht etwa den Anschein der "Landflucht".
 
Zu Kelowna kann ich nur folgendes sagen: bitte befahrt die Hauptstraße nicht zwischen 7-9 Uhr und 15-17 Uhr. Entlang dieser Straße 97 haben sich alle großen Fastfoodketten Kanadas angesammelt. Kilometerweit fahren wir durch die Stadt, welche anscheinend nur aus dieser einzigen Straße besteht und für alles sorgt, was der Kanadier braucht, nur muss er eben fast gar nicht mehr aus seinem Auto steigen.
Wendy's, A&W, McDonnalds, Burger King, Tim Horton, Jr. Carl's, Subway, Taco Time und alles was noch so fett macht.
Baumärkte soweit das Auge blicken kann, Supermärkte für Alle, die beim Fastfood nicht satt geworden sind, Liquid Stores für Alkohol.
Natürlich gibt es hier auch Unmengen an Banken mit, haltet euch fest Drive-In-Schaltern zum Geld ziehen. 
Autohändler vermitteln uns das Gefühlt wir bräuchten ein drittes, viertes und gar fünftes Auto. Neuer, schneller, schöner und natürlich alle auf Kredit.
Der gute Kanadier finanziert sein Leben über seine Kreditkarten, davon hat er gleich mehrere und schaufelt sich somit das finanzielle Grab.

Alles ist auf Pump gekauft und das wenige, was ihnen wirklich gehört lassen sie verkommen.
Tja, kein Häuslebauertrieb, wie er bei uns Deutschen tief verwurzelt ist. 
 




Als wir diese Stadt endlich hinter uns haben, schließlich habe ich auf der Durchfahrt alleine 4 Tim Horton gezählt, ist mir jetzt ganz schlecht und wir sind froh durch das kleine zurückhaltende Peachland zu fahren und mit dem nächsten Ort endlich Summerland zu erreichen.
 
Das Navi schaukelt uns in einer besseren Wohngegend den Hang hinab, noch schnell am Yachthafen entlang und dann erreichen wir unser Hotel.
 



Summerland Waterfront Ressort, wer Lage möchte, bucht sich hier ein und zahlt den entsprechenden Preis dafür, dass er dann doch nur auf den grauen Hang guckt. Nun gut, am Ende des Tages sind wir mit fast allem zufrieden.
Die 2 getrennten Zimmer (mein Mann ist immerhin zum Abholzen des Kanadischen Waldes hier) entpuppen sich als Wohnraum mit offener Schlafgalerie. Super, was hat sich der Erfinder dabei gedacht, sieht hübsch aus ist aber Lärmentfaltend. Ein Hoch auf meine Ohropax. Gute deutsche Qualitätsarbeit, inzwischen sind wir die besten Freunde.
 
Hier finden wir auch wieder diese hübschen handbemalten Fahnen an den Laternen, wie hübsch sähe das in Großburgwedel aus.
 
Karin und Stefan, unsere Freunde von der Farm aus Wetaskiwin warten schon auf uns. Es geht in ein Deutsches Schnitzelhaus in Peachland, hier sollte man reservieren. Außer ihr nehmt Edda mit, dann parken wir fast vor der Tür und bekommen einen netten Platz auf der rundumlaufenden Terrasse.

Tipp: Essen gehen in Kanada 
Ihr betretet das Restaurant und verharrt in Demut, meistens befindet sich am Eingang ein hoher Tisch mit einer Bedienung. Hier meldet ihr euer Begehr an, ah, ihr wollt essen und mit wieviel Personen. Dann werdet ihr von der Bedienung an einen passenden Tisch geführt.
Das ist hier ein ungeschriebenes Gesetz, niemand strunzelt hier unhöflich durch die Tischreihen und stört die anderen Gäste damit, dass er nach einem Tisch sucht.
Sollte euch die Wahl nicht gefallen, dürft ihr jedoch höflich nach einem anderen Tisch fragen.
Ihr bekommt oftmals Wasser kostenlos vorweg zum Trinken.
Das Wasser und die Getränke bitte ohne Eiswürfel bestellen, diese bestehen aus stark gechlortem Wasser und machen so gut wie Alles an Getränken ungenießbar.

Der Kanadier bestellt stets zu viel und verlässt immer mit einem Doggy-Pack (weiße Styroporverpackung: Inhalt für den Hund zu Hause, den keiner hat) das Restaurant.
Nach dem Essen ist es untypisch noch einen Weile zu verweilen, hier gilt ankommen, bestellen, essen, zahlen, verschwinden.
Es gilt als unhöflich sich noch länger als irgend nötig an seinem Getränk festzuhalten oder noch nett zu Plaudern, denn der Nächste wartet schon auf deinen Sitzplatz.

Durchsatz von 6-7 Tischbesetzungen pro Abend sind hier keine Seltenheit. Ich glaube es würde der Gastronomie in Deutschland wesentlich besser gehen, wenn wir das auch so halten würden. Für den gemütlichen Teil wechselt man dann eben in eine Kneipe, dann geht es auch denen besser.
In Restaurants in denen Alkohol jeglicher Art ausgeschenkt wird haben Kinder unter 21 Jahren keinerlein Zutritt, noch nicht einmal um auf die Toilette zu gehen. Hier gibt es meistens einen Family-Room, der diese Kunden vom Rest abtrennt.
 

Und, wie wir sehen freut sich da jemand mit großem Appetit auf seine Grillpfanne.
 

Und auch das Jägerschnitzel war nicht von schlechten Eltern.
 

Das Hawaiischnitzel hatte Hawaii zwar nie gesehen, war aber selber sehr ansehnlich.


"Munich Geschnetzeltes" - Butterspätzle mit geschnetzeltem Schweinefleisch.

Das Restaurant "Gasthaus on the Lake" liegt an der einzigen Straße an der in dieser Umgebung Abends noch was los war, an der Beach Ave. Von Innen sah das wirklich aus wie ein Haus aus dem tiefsten Schwarzwald.
 

Die Möwen als Wildtier zu deklarieren, lassen wir doch durchgehen, oder?
 
Fragen tue ich mich, wie um Himmels Willen, sie diese Blumenampeln durch den Sommer bringen.
 
In der Dämmerung sitzen wir dann noch auf einer netten Picknickbank am Seeufer (mal ganz ohne Mücken) als das letzte Tier des Tages noch eine Runde dreht. Ein Seeotter zieht an uns vorüber und die Dunkelheit lässt meiner Kamera fast keine Chance.
Seichte Musik klingt zu uns herüber und so lockt es uns vier zum Abschluss des Abend noch in eine Bar mit echt guter Livemusik.
Der Musiker kommt aus Ontario und ist ein Ass an der Gitarre und mit der Stimme.
Nur die beiden Backgroundsängerinnen brauchen dringend einen Gesangkurs.
 
Ein schöner Tag geht dem Ende entgegen und dann müssen wir uns von Karin und Stefan trennen, die beiden müssen Heim die Silo-Anlieferung und den Raps kontrollieren. So ist das, wenn man Farmer ist in diesem schönen Land. Entweder macht man hier Urlaub und fährt dann Heim nach Deutschland oder man arbeitet hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.





Auf unserer Strecke nach Summerland (256 km) fuhren wir an Vernon vorbei (dort waren wir 2013 schon) und am wunderschönen Okanagan Lake entlang.

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